Präsidentschaftswahlen 2007 – V – Les présidentielles – Zweiter Wahldurchgang

Les jeux sont faits – Das Spiel ist aus: Am 6. Mai sind beinahe 84 Prozent der französischen Wahlberechtigten zu den Wahlurnen gegangen. 53,06 Prozent haben für den konservativen Kandidaten Sarkozy gestimmt und ihn somit zum neuen Präsidenten gemacht. Seine Kontrahentin Royal erzielte immerhin noch gute 46,94 Prozent, ein Ergebnis, das sich in Anbetracht der ständigen parteiinneren (und hausgemachten) Querelen sehen lassen kann.

In ihrer Rede unmittelbar nach Bekanntgabe ihrer Wahlniederlage zeigte sich die Sozialistin dennoch positiv und kämpferisch: Sie betonte, sie würde das Neue, das sie in ganz Frankreich und in ihrer Partei in Gang gesetzt hätte, weiterführen und die PS (Parti Socialiste) reformieren. Dies ist wahrhaft dringend notwendig, da diese Partei seit dem Wahldesaster 2002 (als der rechtsextreme Le Pen anstatt des sozialistischen Jospin in den zweiten Wahldurchgang gelangte) die Gelegenheit verpasst hat, einen einheitlichen Kurs einzuschlagen. Es bleibt zu sehen, ob ihr das gelingt, wo bereits jetzt von einigen der Alteingesessenen der PS überlegt wird, wie Royals Abgang herbeigeführt werden kann.

Der Gewinner des Wahlkampfduells, Sarkozy, richtete sich in seiner Rede an all diejenigen, um deren Belange er sich während seiner Amtszeit zu kümmern gedenkt: Zuerst an alle Franzosen (und hier vor allem an jene, die ihn nicht gewählt hatten), denn er verstünde sich als Präsident ALLER Franzosen. Danach sprach er zu den Partnern in Europa und bekräftigte seine Absicht, die Europäische Verfassung durchzusetzen (und dies auch ohne Referendum). An dritter Stelle erschienen in seiner Ansprache die USA. Sarkozy zeigte sich sehr amerikafreundlich und ließ sogar verlauten, dass die USA in Zukunft auf Frankreichs militärische Unterstützung bauen könnte. Erst danach widmete er sich den afrikanischen Staaten, die er mit Hilfe einer Mittelmeer-Union stärker in das europäische Geschehen einbinden möchte.

Interessanterweise wurde die Reihenfolge der angesprochenen Verbündeten/ Partnern am nächsten Tag in den 20 Uhr Nachrichten leicht umgestellt: In dem entsprechenden Bericht tauchten die Mittelmeerstaaten vor den USA auf…

Ich bin gespannt, welche Wahlversprechen Nicolas Sarkozy tatsächlich einhalten wird. Hier eine Auswahl:

  • Die Anhebung des Überstundenentgelts auf 50% des Festverdienstes, ohne den Unternehmen dafür weitere Steuern zu berechnen: Das wäre für mein Gehalt jedenfalls eine gute Perspektive ;-)
  • Streikverbot: Franzosen von ihrem Streikrecht entbinden zu wollen dürfte extrem schwierig sein, auch wenn weniger Streik der Wirtschaft gut tun würde.
  • Die Umgestaltung (Abschaffung???) der 35-Stunden-Woche: Abgesehen davon, dass ich 38 Stunden pro Woche arbeite und die mir im Normalfall zustehenden Extra-Frei-Tage trotzdem nicht bekomme, fände ich es gut, wenn an dieser französischen “heiligen Kuh” etwas getan würde. Dadurch wäre Frankreich produktiver und könnte sich im internationalen Wettbewerb einen guten Platz sichern. Und: Damit würde sich mit ziemlicher Sicherheit die Servicementalität verbessern, die ich hier so manches Mal vermisse.
  • Das Durchsetzen der Europäischen Konstitution, gegebenenfalls ohne Volksabstimmung: Ich fürchte, das wird in Frankreich, wo sich die Menschen nicht gerne das Mitbestimmungsrecht nehmen lassen, äußerst schwierig werden. Auch wenn ich selbst dafür bin, dass die Idee Europa weiter voran getrieben wird.
  • Die innere Sicherheit wieder herstellen: Und das, nachdem unmittelbar nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses die im Vorfeld befürchteten Ausschreitungen gegen Sarkozys Präsidentschaft stattgefunden haben?
  • Ein enger Schulterschluss mit Präsident Bush & Co: Das wird spätestens beim Aussenden des französischen Militärs zu amerikanischen Zwecken für Unruhe sorgen.

Sind die Franzosen tatsächlich für den lang ersehnten Wechsel bereit? Wenn ich eines in meiner Zeit hier in Lyon über Franzosen erfahren habe, dann ist es diese gewisse Gemächlichkeit, sich auf Neues einzulassen. Oftmals empfinde ich viele Menschen hier wie eine Meute aufgebrachter Teenager, die der Pubertät nicht wirklich entwachsen wollen.

Es bleibt spannend.

ist seit ihrer Kindheit an Medien interessiert: Zunächst gestaltet sie die Mini-Zeitung, die sie unter ihren Klassenkameraden verbreitet. Auch mit kleinen, privaten Radiosendungen hält sie ihre Nachbarn und Freunde bei Laune.

Im Jahr 2000 macht sie ein Praktikum bei der Badischen Zeitung und tastet sich an den Beruf des Journalisten heran.

Nachdem sie das Internet als neues Medium für sich entdeckt, startet sie 2006 diesen Blog, um über ihr Leben als Deutsche in Frankreich zu erzählen.

Kurz darauf (2007) launcht sie ihre professionellen Blogs zum internationalen Online-Recruiting (www.online-recruiting.net) und 2011 Social Media Recruiting (www.socialmedia-recruiting.com).

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