03
Sep
Fünf Jahre Lyon – ein Rückblick
Heute ist es genau fünf Jahre her, dass ich nach Lyon gekommen bin. Damals war ich für ein halbes Jahr als ERASMUS-Studentin an der Universität Lyon III Jean-Moulin eingeschrieben. Nach meinem in Deutschland beendeten Studium bin ich 2004 zurück nach Lyon gegangen, um dort zu arbeiten – was ich heute auch immer noch tue.
Zeit für einen kleinen, teilweise nostalgischen, Rückblick, vor allem zu meinem ERASMUS-Aufenthalt. Denn in den sechs Monaten Uni-Austausch habe ich in Lyon
- dank meiner Studienkollegin Nathalie, mit der ich netterweise mit dem Auto nach Lyon gefahren bin, sofort eine Kostprobe von den unergründlichen und unzähligen Einbahnstraßen bekommen
- mich aber trotzdem so gut wie nie zu Fuß verlaufen
- trotz meines fortgeschrittenen Studiums der französischen Sprache feststellen müssen, dass es mir nur selten gelang, ein Wort dieser Sprache zu verstehen
- am eigenen Leib erfahren, wie man sich fühlt, wenn man als Ausländer für Papiere stundenlang bei Behörden anstehen muss (dabei hatte ich es als EU-Bürger vergleichsweise bestimmt noch ziemlich einfach)
- meine Vorliebe fürs Brücken Überqueren entdeckt, vor allem die Rhône Brücken, denn da kann man oftmals die Alpen in der Ferne ausmachen
- eine meiner schönsten Geburtstagsparties gefeiert, und das mit Menschen, die ich noch nicht lange kannte
- bei der Biennale de la Danse auf der Place des Terreaux mit mexikanischen Studenten Salsa getanzt
- den wohl verrücktesten Bierkenner und -trinker aus Canada kennen gelernt, der zudem einen ausgeprägten Faible für die Kultur des französischen klassischen Jahrhunderts hat
- weltoffene und europäisch-denkende Briten getroffen, was in sich schon einen Widerspruch darstellt
- verstanden, weshalb französische Studenten nie (Frei-)Zeit haben (oder sich diese nehmen?)
- das französische Ritual und savoir-faire beim Essen kennen und schätzen gelernt
- gemerkt, dass Franzosen nicht unbedingt dem Ideal entsprechen, das ihnen von außen angedichtet wird
- gelernt, dass ich mich in Supermärkten auf lange Warteschlangen und -zeiten einstellen muss
- festgestellt, dass, wenn man ein Halbes (Bier) – un demi – bestellt, lediglich 250 ml dieser Flüssigkeit serviert werden
- kurzum, einen neues, positiveres Nationalbewusstsein erlangt und eine verdammt gute Zeit verbracht
Ach ja, und studiert habe ich nebenher natürlich auch noch: Das Leben, das Land, die Leute, die Kultur und natürlich – deswegen war ich ja da – die Sprache.





Hallo,
. Ich bin zur Zeit in München und wenn man da ein Bier bestellt, bekommt man mindestens einen halben Liter, also da muss man sich schon umgewöhnen. Naja ich würde mich freuen, bald wieder was von dir hier zu hören, werd sicherlich noch öfters vorbei schauen.
ich bin durch Zufall auf diesen Blog geraten und bin dann bei deinem Artikel hängen geblieben. Ich fand es sehr schön von deinen Erfahrungen zu lesen. Zwischenzeitlich musste ich aber schon einmal schmunzeln, gerade was das Bier anbelangt. Wenn du Zeit und Lust hast solltest du mal Köln besuchen, da servieren die dir das Bier in Reagenzgläsern
Lg, Denise