Blog Action Day - Umweltgedanken in Lyon

Bloggers Unite - Blog Action Day Heute ist Blog Action Day:

Am 15. Oktober werden sich Blogger überall im Internet zusammentun, um die Öffentlichkeit auf ein ausgewähltes Thema aufmerksam zu machen. Das Thema für den Blog Action Day 2007 ist die Umwelt. Jeder teilnehmende Blogger wird sich auf seine ganz persönliche Weise eines von ihm selbst ausgewählten Umweltthemas annehmen.

Das Thema Umwelt im Zusammenhang mit Frankreich im Allgemeinen und Lyon im Speziellen würde an sich schon einen ganzen Blog füllen. Heute bechränke ich mich auf folgende Themen:

  • Luftverschmutzung
    Keiner mag sie, jeder beschwert sich darüber. Bronchial- und Lungenkrankheiten gibt es jede Menge. Aber wenn es um das Fortbewegungsmittel Nummer 1 geht, versteht hier keiner mehr Spaß: Das Auto muss mit! So quetschen sich viele genervt durch die engen, vollgestopften Straßen, anstatt ohne viel Stress die U-Bahn zu nehmen. Das Phänomen “Fahrgemeinschaft” (covoiturage) wird nach Möglichkeit vermieden, vor allem, wenn es darum geht, diese morgens früh auf dem Weg zur Arbeit zu bilden (Gott sei Dank erlebe ich hier dank meiner Kollegin regelmä&dzlig; Ausnahmen. Danke Marie-So!). Man müsste sich ja organisieren, einen festgesetzten Zeitpunkt einhalten und sich womöglich noch auf jemand anderen einstellen.
  • Mülltrennung
    Wat isn dat? Nein, ich übertreibe natürlich. Es gibt in der Tat grüne und graue Tonnen, Glasflaschen- Sammelbehälter und Sperrmüll (die Sammler sind bei mir noch nie vorbeigekommen, aber die kostenpflichtige Mülldeponie “déchetterie” gibt’s ja auch noch). Aber ich verstehe das französische System nicht, und es gelingt mir einfach nicht, mir dieses in mein Gedächtnis einzubleuen. Also: Grüne Tonne: Demnach gehören Metall, Plastikbehälter und Karton hier rein. Gut, und was mach ich dann mit ganz einfachem Papier, Brief- oder Plastikumschlägen? Die dürfen gemäß Grafik hier links - bitte zum Vergrößern auf das Bild klicken - nicht in die grüne und müssen daher in die graue Tonne. Und Plastikbehältnisse mit Speiseresten (Joghurtbecher, etc.) dürfen auch nicht rein. Das kommt ebenfalls zum Restmüll. Hier wären der Gelbe Sack und eine Papiertonne eine gute Idee.
  • Beton vs Grün
    Reißt den Beton auf! Es waren doch die Franzosen der 68er Jahre, die auf die Straßen gingen und lauthals verkündeten: Sous les pavés, la plage (Unter dem Kopfsteinpflaster liegt der Strand). Pflanzt mehr Bäume und gebt Euren Einwohnern mehr gute Luft. In der Nähe des Lyoner Bahnhofs wurde kürzlich eine Pflanzenmauer eingeweiht, die zum einen dem Autolärm und zum anderen der Luftverschmutzung vorbeugen soll. Gute Idee und trotzdem ein wenig schade, Pflanzen auf diese Art zu instrumentalisieren.
  • Das Hundeproblem!
    Dazu gibt es nicht viel zu sagen, denn jeder wird verstehen, worauf ich anspiele. Vielleicht sollte man hier über die Einführung einer bestimmten “Hundedichte” pro Quadratkilometer nachdenken ;-) Ich mag Hunde sehr gern, aber hier in der Großstadt tun mir diese Tierchen erstens leid und zweitens werden sie einem leid.

Auf dem heiligen Hügel Lyons: Fourviere

funiculaires-fourviere.jpgDann und wann packt es mich, und ich brauche einen guten Überblick über die Stadt, durch deren - zumeist - enge Gassen und Straßen ich mich bewege. Also mache ich mich auf den Weg zur U-Bahn, fahre mit der Linie D bis zur Altstadt, Haltestelle Vieux-Lyon, steige um in die Zahnradbahn, les funiculaires, und lasse mich binnen zwei Minuten auf den Hügel La Fourvière hochziehen. Das gewisse mulmige Gefühl im Bauch, wenn es die steile Auffahrt (siehe Foto links, bitte zum Vergrößern darauf klicken) hinaufgeht, gehört mit dazu - ein bisschen Nervenkitzel muss halt schon sein, auch wenn ich immer sehr froh bin, wenn die Bahn oben ankommt…

fourviere-2007-09.jpgOben angekommen, wird einen die Größe und der Prunk der Basilika Notre Dame umhauen (bitte auf das Foto klicken, um es zu vergrößern). Von außen gefällt mir diese Kirche jedoch wesentlich besser als von innen, denn einen derart mit (kitschigen) Bildern und Mosaiken vollgepfropften religiösen Ort habe ich bisher nur selten gesehen. Daher erspare ich mir jedes Mal einen Rundgang durch die Kathedrale, obwohl die sich nebenan befindende Krypta viel schöner sein soll. Ich habe mich aber noch nicht hinein gewagt.

ausblick-fourviere2.jpgDenn, wenn ich auf dem Berg bin, habe ich nur eines im Sinn: Die Aussicht auf die Stadt und Umgebung. Wenn mir dazu noch ein wenig der Wind um Nase und Ohren weht, bin ich gänzlich zufrieden und beginne nach einer gewissen Zeit zu Fuß den Abstieg. Dafür bieten sich verschiedene Wege an, z.B. durch den Parc des Hauteurs, dem Lyoner “Höhenpark”. Doch dazu ein andermal mehr.

Bildquelle: Fotos selbstgemacht. Bitte auf die Bilder klicken, um sie in ihrer vollen Größe zu sehen.

Metro, U-Bahn, Schwarzfahren in Lyon

tcl-ticket.jpgAuch dieses Mal schöpfe ich aus einem Artikel meines Internautilus-Vorgängerblogs. Nur hat sich dieses Mal einiges geändert: Ich fahre nicht mehr schwarz!

Dennoch gab es eine Zeit, als ich mich regelrecht dazu berufen fühlte, die äußerst schwachen Mechanismen der Kartenkontrolle zu umgehen. Zum Beispiel, als ich Ende 2002 als mittellose ERASMUS - Studentin nach Lyon kam, und darauf bedacht war, meine letzten Momente als träumerische Rebellin auszukosten.

Seitdem ich jedoch zur arbeitenden Bevölkerung zähle, habe ich mein Verhalten geändert und bin nun seit beinahe drei Jahren stolze und regelmäßige Nutzerin meiner Carte Técély (Der Name der Monatskarte, die jeden Monat frisch aufgeladen wird). Zudem haben die Lyoner Transport- und Verkehrswege TCL Sicherheitstüren und -schranken an jedem U-Bahneingang und -ausgang platziert und die Fahrkartenkontrolleure haben ihre Technik verbessert: Anstatt so wie vorher den Schwarzfahrern die Möglichkeit zu geben, sich vor der Kontrolle heimlich aus dem Staub zu machen, lassen die Beamten - dennoch immer gut erkennbar dank ihrer eindeutigen Uniformen - Passagiere weder aus der Bahn aus- noch in die Bahn einsteigen und verlangen jeweils das Vorzeigen eines gültigen Tickets.

So bleiben den geneigten, heutigen Schwarzfahrern nur noch zwei Dinge zu tun:

  1. Im richtigen Moment mit einem Fahrgast zusammen die Schranken zu passieren, um kostenfrei Metro zu fahren
  2. Und ebenfalls im richtigen Moment, dann wenn die Schaffner unterwegs sind, der französischen Sprache nicht mächtig zu sein

Wer erwischt wird und um das Bußgeld nicht herumkommt, hat die Möglichkeit, die Strafe sofort und mit französischer Bankkarte (evtl. sogar mit einer Kreditkarte, ist mir noch nicht passiert) zu bezahlen. Derjenige, der direkt die Schulden berappt, erhält sogar einen “Bonus”: Anstelle von 78 Euro sind dann nur noch 40 Euro fällig. Das lohnt sich, wenn man sich nicht allzu oft erwischen lässt. Französische Logik…

Happy Frauding! (frauder - frz. schwarz fahren, Anm.)

Velo’v - kleine praktische Wegbegleiter durchs Stadtchaos

velov-station-oper.jpgHabe ich hier schon einmal behauptet, dass ich Fahrradfahrer in Lyon für Selbstmordgefährdete halte? Nein? Dann tun ich es hiermit. Die zumeist recht abenteuerliche (Auto-)Fahrweise meiner lieben französischen Mitbürger, der stets überhöhte Gehalt von (Auto-)Abgasen in der Luft und die Abwesenheit von (gesicherten) Radwegen halten mich meistens davon ab, die Stadt mit einem meiner liebsten Fortbewegungsmittel zu erschließen.

Seit Mitte vergangenen Jahres gibt es eine wunderschöne Neuigkeit in Lyon, die die Bürger dazu anregen soll, eher das Fahrrad als das Auto zu benutzen: Das Velo’v. Das ist ein beabsichtigtes Wortspiel mit “We love” und vélo, Fahrrad.

Neugierig wie ich bin, wollte ich das Fahrradausleihsystem natürlich testen. Ich habe es sogar überlebt, wobei der Umstand, dass ich gegen halb fünf Uhr morgens unterwegs war, sicher äußerst hilfreich war ;-)

Und so funktioniert das Ganze: Zu einer der vielen Fahrradstationen gehen (gibt’s an jeder Ecke), mit der Bank- oder Kreditkarte eine (Kurz- oder Lang-) Nutzerkarte erstellen lassen (geht im Normalfall sehr schnell, wenn das System mitmacht), Fahrrad auswählen, losfahren. Die erste halbe oder ganze (abhängig von der Nutzerkartenauswahl) Stunde ist kostenfrei, danach kostet jede Stunde unterschiedlich viel, wiederum je nach Kartenauswahl. Für Abonnenten der städtischen öffentlichen Verkehrsmittel (TCL) gibt’s attraktive Sonderkonditionen. Mehr Infos? Dann nichts wie zur französischen Infoseite zu den Velo’v.

Viel Spaß beim Strampeln!

Foto: Selbstgemacht, eine Velo’v-Station gleich neben der Oper.