Mittagspause in Frankreich

Die Mittagspause wird in Frankreich sehr häufig mit entre midi et deux (zwischen 12h und 14h) bezeichnet. Damit ist der zeitliche Rahmen auch schon knapp umrissen, und Touristen, die mittags in der Innenstadt schnell eine Kleinigkeit einkaufen möchten, sehen sich mit genau diesem Phänomen konfrontiert. Denn die meisten Händler halten sich peinlichst genau an diese zwei Stunden. (Kirchen auf dem Land, die man als Tourist eventuell besichtigen möchte, sind davon übrigens auch betroffen…)

Mein Arbeitgeber gewährt uns großzügigerweise lediglich eineinhalb Stunden Mittagspause, so dass ich von halb eins bis zwei Uhr verpflichtet bin, meine freie Zeit totzuschlagen oder mit Überstunden zu füllen (unbezahlt natürlich). Dabei würde mir eine halbe Stunde vollkommen ausreichen, denn dann hätte ich abends etwas mehr Freizeit. Nun habe ich also jeden Tag die Möglichkeit, in dieser mittäglichen Zwangspause eine Menge andere Dinge zu tun: einen Artikel für meinen Blog schreiben, einen Spaziergang machen oder gar im nahegelegenen Einkaufszentrum (Auchan & Co.) shoppen gehen.

Bei dem derzeitigen Wetter (Schnee und Regen) wird leider selbst die Einkaufstour zu einer Tortur, da der Hauptweg zu Auchan aus sandsteinfarbenem Lehm und kleinen roten Steinchen besteht. Da wird das Vergnügen zur reinsten Schlammschlacht. Im Sommer ist das natürlich wesentlich besser, da kann ich mich zumindest an einen der drei künstlich angelegten Seen legen und sonnen. Schade nur, dass es nicht genügend Schatten spendende Bäume oder Bänke gibt. Die Bänke stehen direkt an der Hauptverkehrsstraße, sodass der Spaziergänger die hastig vorbeifahrenden Autos beobachten kann. An lesen ist da nicht zu denken. Beklagen will ich mich bestimmt nicht, nein, immerhin haben wir in der Nähe meiner Arbeitsstätte ein für Lyon höchst seltenes Gut: Natur!

Heute regent es, und, meine Mittagspause ist zu Ende! Bis zum nächsten Mal.

Wohnungssuche in Lyon

Ab und an bin ich auf der Suche nach einer Wohnung. Ich bin zwar derzeit gut untergebracht, hätte jedoch nichts dagegen, mich in eigenen vier Wänden etwas mehr auszubreiten.

Die Wohnungssuche in Frankreich zeichnet sich vor allem durch ein sehr starkes Agenturgeschäft aus. Die Vermittlungsprovisionen (honoraires) belaufen sich hierbei auf ca. eine Monatsmiete. Doch bitte Vorsicht vor einer schnellen Unterschrift: in Frankreich kann es neben den “offiziellen” Gebühren solche Nettigkeiten wie frais d’ouverture de dossier geben, also Bearbeitungsgebühren oder Ähnliches. Daher vorher bei der Agentur genau nachfragen.

Und ganz wichtig: Niemals (!) über Agenturen gehen, die vor einer Wohnungsbesichtigung eine Gebühr (die sich dann frais d’agence nennen, ca. 160 Euro) kassieren. Die Adresslisten, die der arme Suchende dann erhählt, sind oftmals nicht mehr aktuell, und es werden nur sehr wenige freie Wohnungen neu angeboten.

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(Bild: Screenshot einer Anzeige einer Immobilienagentur, von der ich abraten würde.
Quelle: ParuVendu.fr)

Aber ganz ehrlich: ich verstehe nicht, warum sich Agenturen um die Vermietung von Wohnraum kümmern. Ich finde den Service von Agenturen ziemlich schlecht. Bei meiner Suche per Internet auf seloger.com fand ich eine Reihe von interessanten Angeboten und rief fleißig bei den jeweiligen Agenturen an, bat um Rückruf oder um Rückmeldung per E-Mail. Manchmal wurde ich sogar tatsächlich zurückgerufen, aber besonders hilfreich fand ich die Damen oder Herren nicht, vor allem, wenn ich sie nach mehreren Wohnobjekten befragte. Da schlich sich doch einmal bei mir der Verdacht ein, dass ich ihnen etwas Unmenschliches abverlangte.

In der Tat, denn immerhin hatte ich ja leider nicht vor, eine Wohnung zu kaufen sondern “nur” zu mieten. Und die Provisionen sind bei Verkaufsobjekten natürlich wesentlich höher als bei Mietobjekten. Klar, dass da die Motivation eine andere ist…

Für alle die, die sich dennoch nicht abschrecken lassen und nach einer Wohnung in Lyon suchen möchten (oder müssen ;-), kann ich folgende Internetseiten empfehlen:

- www.seloger.com: meiner Meinung nach eine sehr gute Seite mit vielen Tipps rund um die Wohnungssuche, wichtigen Adressen, z.B. für einen kostenfreien Kredit für die Wohnungskaution für alle unter 30-Jährigen und einer guten Suchfunktion (frankreichweit, auch für WGs =”colocation”).
Leider sind die als aktuell angepriesenen Anzeigen nicht immer auf dem neuesten Stand. Bitte Vorsicht bei den Anzeigen mit einer 0899-Vorwahl. Das sind die französischen 0190er Nummern. Nach ungefähr 3-5 Tagen wird diese Nummer herausgenommen und die direkten Kontaktdaten werden veröffentlicht. Wer also warten kann und nicht sehr dringend sucht, sollte diese Zeit verstreichen lassen.

- www.paruvendu.fr: Internetseite der gleichnamigen, wöchentlich erscheinenden (immer montags), kostenlosen Kleinanzeigenzeitschrift. Hier muss sich erst mal an die richtige Stelle durchgeklickt werden. Auf dieser Seite befinden sich viele zweifelhafte Agenturen (s.o. Bild), aber ansonsten sind die Anzeigen tendenziell aktuell.

- www.colocation.fr: Anzeigen für WGs, die Seite kenne ich ehrlich gesagt nicht so gut.

Für alle Studenten wichtig: Bei der französischen CAF (Caisse allocations familiales) kann ein Wohnungszuschuss beantragt werden, auch für Nicht-Franzosen. Auf deren Website können Anträge heruntergeladen und direkt eingegeben werden. Erspart eine Menge Zeit, vor allem beim sinnlosen Anstehen in meterlangen Warteschlangen. www.caf.fr

Ich glaube, ich lasse das mit der Wohnungssuche erst einmal sein. Die Mieten sind hier unverschämt teuer, wenn man hier etwas Anständiges mieten will. Und zu guter Letzt: Einmal im Jahr, im November, wird die taxe d’habitation, die Wohnsteuer, fällig. Und die wird je nach arrondissement, Größe und Baualter der Wohnung anders berechnet. (Weitere Infos zur französischen Wohnsteuer) Die Wohnsteuer scheint mir ein altes Überbleibsel aus vergangenen Zeiten zu sein. In Deutschland gibt es das jedenfalls nicht. Immerhin ist in Frankreich die Fenstersteuer schon Ende des 19. Jahrhunderts abgeschafft worden…

Viel Spaß beim Wohnen!

Essgewohnheit

Das vergangene Wochenende habe ich in einem kleinen Dorf namens Sailly bei Cluny in Burgund verbracht. Dort wohnt meine ehemalige Gastfamilie aus Schüleraustauschzeiten, und da immer noch ein sehr guter Kontakt besteht, besuche ich sie ab und zu.

Selbstverständlich sah der Hauptbestandteil meiner dort verbrachten Zeit vor, möglichst gut zu essen und zu trinken. Zu meinem Glück war für den Samstag Abend ein gemeinsames Essen eines “Pot au feu” (Rindfleischsuppe mit Kartoffeln und enorm großen Gemüsestücken) für alle 60 Dorfbewohner vorgesehen. Dabei fiel mir auf, dass ich mich bereits in starkem Maße an die französischen (Ess-) Gepflogenheiten gewöhnt habe: So war ich beispielsweise überhaupt nicht mehr überrascht, dass der vereinbarte Beginn des Banketts zwar für 19.30h veranschlagt war, dass aber die Eingangssuppe erst eine Stunde später serviert wurde. Davor gab es ordentliche Mengen an Apéritifs und viel zu erzählen.

Zwischen den verschiedenen Menüstationen (Apéritif, Entrée, Hauptspeise, Käse, Dessert und als ständige Beigabe Brot), die sich bis gegen Mitternacht hinzogen, wurde ebenfalls viel geredet. Dennoch verging die Zeit wie im Fluge, und es kam in keiner Sekunde Langeweile auf.

Ich habe aber auch schon von anderen Feiern gehört (z.B. von der Hochzeit meines Kollegen), die sich von 17Uhr nachmittags auf diese Weise bis 3Uhr nachts schleppten. Da bin ich dann doch noch bekennende Deutsche und sage: das ist definitiv zu viel!

Und das Ende vom Lied: Nach meiner Rückkehr am Sonntag habe ich den Abend mit Bauchschmerzen und Wärmflasche auf dem Sofa verbracht…

Alarmbereitschaft

Kleine Anekdoten aus dem Arbeitsalltag versüßen denselben:

Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut französische Technik bei den richtig großen Dingen funktioniert, z.B. der TGV oder das sagenumwobene Hochgeschwindigkeitsflugzeug Concorde. (Ich glaube, ich habe bereits erwähnt, dass die meisten Franzosen auf mich einen extrem gestressten Eindruck machen, weshalb es nicht verwunderlich ist, dass sie solche schnelle Maschinen entwickeln.)

Bei den “kleinen” Dingen sieht das anders aus: im Sommer saß ich im Pulli frierend im Büro, da die Klimaanlage nicht korrekt eingestellt werden konnte (oder der zuständige Techniker eben einfach unfähig war). Im Winter genau das Gegenteil. Da ich als bekennender Freiluftfanatiker täglich herben Verbalattacken meiner Kollegen ausgesetzt bin, wenn ich es wage, in die Nähe des Fensters zu gehen, heimse ich mir sämtliche Bakterien ein, die sich in den Räumen ansammeln. Nun ja, Widerstand gegen die Mikroben wäre eh zwecklos, denn ich muss mich morgens bei Arbeitsantritt erst mal von allen abknutschen lassen. Ziemlich zeitaufwendig… und mit einer Menge Freude verbunden, wenn die erkrankten Kollegen auf ihren morgendlichen “Bisous” bestehen.

Zurück zur Technik: Heute, pünktlich zur Mittagspause, setzte der Feueralarm ein. Von Feuer war weit und breit keine Spur. Schade eigentlich… Nach ungefähr zehn Minuten war der Lärm vorbei. Ein Mitarbeiter der Nachbarfirma sagte, dass ein Rauchdetektor defekt wäre, und dass sich die Sirene, wenn sie denn einmal in Gang gesetzt worden wäre, nicht mehr abstellen ließe. Irgendwann würde sie dann von alleine aufhören. Hm, das macht Laune, vor allem wenn man weiß, dass unmittelbar nach solch einem Vorfall ein Techniker gerufen wird, der das Problem beheben soll. Dann kann man sicher sein, dass der Alarm den ganzen Nachmittag an- und ausgeschaltet wird.

Schließlich ist das nicht das erste Alarmproblem, das ich hier erlebt habe. Das letzte Mal war es jedoch der Gebäudealarm, und der ist viel, viel lauter! Sehr peinlich, wenn unsere Mitarbeiter gerade am Telefon sitzen und Kunden ein Produkt erklären sollen. Aber eine Entschuldigung funktioniert immer und bringt unsere Ansprechpartner in Deutschland zum Lachen: “Sie wissen ja, Franzosen und Technik…”

Weisheit auf dem Weg zur Arbeit

logo-metro.jpg Heute morgen las ich in der kleinen, kostenlosen Tageszeitung “Métro” folgende weise Aussage des zeitgenössischen französischen Philosophen Bernard-Henri Lévy in Bezug auf die Amerikaner:

“Qu’est-ce qu’un Américain, au fond? C’est quelqu’un qui quitte l’Europe pour la réinventer autrement, dans un autre pays.”

Er - der in Frankreich auch gerne mit seinen Namensinitialen “BHL” (/Bee Asch Ell/) genannt wird - hat dort die vergangenen neun Monate verbracht und hat nun diesen Gedanken geboren. Meiner Meinung nach eine nette Art zu sagen, dass wir im Prinzip mit verantwortlich sind für Reality TV-Shows wie “Big Brother”, “Star Academy” oder Quizsendungen wie “Wer wird Millionär”… ;-)

logo-20minutes.gifDoch zurück zu den kleinen, nützlichen Wegbegleitern, die jeder Passant an vielen Metro-Stationen morgens in die Hand gedrückt bekommt: Diese Zeitungen verkürzen den Anfahrtsweg zur Arbeit ungemein. Nebenbei bekommt man in knapp 20 Minuten (daher lautet auch ein Name einer solchen Zeitung “Lyon 20 Minutes“) alles Wissenswerte über die Stadt, die Region, Frankreich im Allgemeinen und auch ein wenig über das, was im Rest der Welt geschieht, mitgeteilt.

logo_lyonplus.jpgNeben den beiden oben erwähnten Zeitungen wird auch “Lyon Plus” angeboten. Mein Favorit unter den dreien ist jedoch Lyon 20 Minutes, da es durch sein praktisches Format und seine attraktive blaue Farbe angenehm auffällt.

Übrigens: diese kostenlosen Zeitungen gibt es in allen großen französischen Städten.

Unwetterkatastrophe in Lyon - Schneefall

schneeinlyon.jpgVor zehn Tagen ist Lyon beinahe in unglaublichen Schneemassen versunken!
Ab morgens neun Uhr schneite es, was das Zeug hielt, und gegen 16 Uhr waren die Straßen mit einer ca. 3-5cm dicken Schneeschicht bedeckt ;-)

Diese Katastrophe hat Lyon ganz heimtückisch und vor allem gänzlich unvorbereitet (dieses Schneetreiben wurde immerhin nur drei Tage im Voraus angekündigt, was den ohnehin schon gestressten Franzosen total überfordert) getroffen. Ich bin gemütlich, mit ca. 15 kreischenden Schulkindern, im kuschelig warmen Bus durch die Stadt nach Hause gefahren und konnte an Bord dieses Wunderwerks französischer Technik live miterleben, wie eine Großstadt in Chaos ausbricht. Auf der Straße lagen nicht einmal 3-4cm Schnee, ein Unding!!!

Jedenfalls erklärte uns der nette Busfahrer, dass alle Busse bis zur jeweiligen Endstation führen und dann allesamt ins Depot gebracht würden. Das war gegen 16.40h, als es noch nicht einmal anfing glatt zu werden. Da ich sowieso nicht bis zur Endstation fahren musste, kam ich also so ziemlich ohne Verspätung nach Hause.

Andere Zeitgenossen hatten jedoch weit aus mehr Pech, und so wird davon berichtet, dass manche Bewohner umliegender Städte nicht einmal die Stadt verlassen konnten und sich in Lyon ein Hotel nehmen mussten. Andere kamen in zwei Stunden knappe 20 Meter im Auto vorwärts bevor sie das Auto in einer Garage abstellten, genervt zur nächsten U-Bahn Haltestelle liefen (Busse fuhren ja schon lange nicht mehr) und schließlich über den gefrierenden Schnee nach Hause wankten.

Die Lyoner Stadtwerke haben auf ganzer Linie versagt, kein Streudienst, keine Freischaufler, nichts! Es war eine Pracht und gibt mir einen guten Anlass, lustige Geschichten aus meiner momentanen Wahlheimat verlauten zu lassen.

Fazit: Bei plötzlichem Schneefall, auch wenn nur 5cm liegen bleiben, auf das Busfahren verzichten. Ich habe jedoch auch gehört, dass in manchen Fällen die U-Bahnen bei Schneechaos angehalten werden… Warum dem so ist werde ich bei nächster Gelegenheit herausfinden.

Intro

Vive la France!

Das Leben in Lyon und Frankreich aus meiner Sicht - es könnte aber auch die Sicht eines jeden anderen sein.

Homepage der Stadt Lyon